Wissenssicherung

Kennen Sie das? Im Betrieb läuft alles rund, langjährige erfahrene Mitarbeiter betreiben die Anlagen so, dass sie „geräuschlos“ arbeiten und die gewünschten Ergebnisse liefern. Sie brauchen sich um nichts zu kümmern. Gerade in Wasseraufbereitungsanlagen erlebe ich diese Situation recht oft. Diese Anlagen stehen ja oft nicht im unmittelbaren Fokus der Betriebsleitung, sie haben eben ein Betriebsmittel zu liefern.

Wie sieht es aber aus, wenn der bewährte Mitarbeiter ausfällt, ausscheidet oder in Ruhestand geht? Beides passiert meist plötzlicher als sich die Vorgesetzten dies wünschen. Dann wird die Anlage noch eine Weile ähnlich geräuschlos weiterlaufen. Nun ja – so sollte halt eine gute Anlage funktionieren, vielleicht stellt sich der Vorgesetzte sogar die Frage, weshalb habe ich hier so lange einen Mitarbeiter beschäftigt.

Aber nach einiger Zeit fängt es an, in der Anlage zu knirschen, die Leistung und/oder die Qualität lässt nach. Und dann beginnt das Drama – jetzt muss sich ein anderer Mitarbeiter oder ein Externer mit der Anlage beschäftigen. Was die Spezifika und die Besonderheiten der zickenden Anlagen-Diva sind, muss erst mühsam erarbeitet werden.

Was kann man dagegen tun, dass diese Situation gar nicht erst entsteht? Das Zauberwort heißt „Wissenssicherung“.

Im Idealfall ist klar, dass der zugehörige Mitarbeiter in absehbarer Zeit ausscheidet. Er bekommt einen Nachfolger an die Seite gestellt, den er in Ruhe einlernen kann, und der dann die Anlagen im gewünschten Sinn weiter betreiben wird. Eine Übergangszeit von 6 Monaten ist hier in der Regel bei entsprechend komplexen Anlagen durchaus angebracht. Aber welches Unternehmen hat heute die Zeit und die (personellen und finanziellen) Ressourcen, so lange Übergänge zu praktizieren? Und wie sieht es aus, wenn die Situation nicht ideal ist? Wenn der Mitarbeiter im Streit scheidet, oder durch Krankheit bzw. Tod ausscheidet. Oder die Stelle nicht wieder besetzt werden soll?

Um derartige Situationen zu vermeiden, sollte das Wissen bereits im Vorfeld gesichert werden. Hierzu kann interne oder externe Expertise herangezogen werden.

  • Die Anlagendokumentation ist zu sichten. Entspricht sie dem aktuellen Zustand, entspricht sie der derzeitigen – gegenüber der Planungsphase oftmals geänderten – Betriebsweise?
  • Die Anlage selbst ist zu sichten. Wurden Veränderungen vorgenommen, wurde die Fahrweise angepasst oder verändert?Sind neue Komponenten eingebaut, die nicht in der Dokumentation enthalten sind? Sind die Werte der eingebauten Messungen noch korrekt?
  • Die Steuerung ist zu sichten. Wurden hier Änderungen vorgenommen, die auf den Betrieb Auswirkungen haben?
  • Die technischen und gesetzlichen Randbedingungen sind zu sichten. Gibt es hier neue Anforderungen, die umgesetzt wurden, oder umgesetzt werden müssen?
  • Entspricht die betriebliche Datenerfassung den Anforderungen, die an einen sicheren Betrieb zu stellen sind

Gerade bei Anlagen, die bereits mehr als 10-15 Jahre „auf dem Buckel“ haben, stellt sich auch die Frage, ob die Anlagen-Dokumentation noch den Erfordernissen entspricht (z.B. Sicherheitsanforderungen, Umweltanforderungen), und ob die Anlage tatsächlich noch das leistet, was sie eigentlich leisten sollte.

Ein ausführliches Review durch einen Experten wird all diese Punkte ansprechen und das Wissen in seinen Berichten und Dokumentationen  konservieren. Der Experte wird auch das Betriebspersonal interviewen, um Besonderheiten zu erfassen und zu dokumentieren. Ein unabhängiger Experte wird dabei auch fein differenzieren können, welche Maßnahmen notwendig sind und wo kein Handlungsbedarf besteht.

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